Pfarrerin Dr. Heide Liebold-Bier zu ihrem Abschied aus dem Pfarrdienst


Liebe Gemeindeglieder,

Ende März endet mein Dienst als geschäftsführende Pfarrerin in der Neuen Evangelischen Kirchengemeinde. Diese Entscheidung habe ich getroffen, nachdem ich im letzten Herbst eine berufliche Auszeit genommen hatte, die unter dem Motto „Christ in der Welt“ stand. Ich war immer sehr gerne Pfarrerin in unserer Gemeinde. Doch nun ist es für mich Zeit für eine Veränderung. Es lockt mich, als „Christ in der Welt“ zu leben und mich mit meinen Gaben auch außerhalb der Kirche einzubringen. Zudem möchte ich künftig etwas mehr Zeit für meine Familie haben. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich auch an dieser Stelle von Ihnen zu verabschieden, mit einem Blick zurück und einem Blick nach vorn.

Die Zeit von Februar 2011 bis März 2023 war eine sehr ausgefüllte Zeit mit vielen unvergesslichen Erlebnissen und Begegnungen, mit wunderbaren Menschen, die ich in Freude und Leid begleiten durfte. Insgesamt erfüllt mich im Rückblick das Gefühl großer Dankbarkeit. Einige Dinge möchte ich herausheben:

Ich denke gern an die Krippenspiele und Weihnachtsfeste, die jedes Jahr für mich ein besonderer Höhepunkt waren. Ich denke an glänzende Kinderaugen beim Advents- und Osterbasteln und müde Helfer bei unseren Kirchenschlafnächten. Ich denke an die vielen Konfirmanden und ihre besonderen Überraschungsprojekte. Ich denke an die neuen Fenster in der Johanniskirche und den Gottesdienst zum 70-jährigen Gedenken des Bombenabwurfs auf Wernigerode und die damit verbundene geschichtliche Ausstellung im Martin-Luther-Saal. Ich denke an zwölf Johannisfeste mit unserem Kindergarten und sehe mit Erstaunen, dass ehemalige Kindergartenkinder dieses Jahr schon ihren 18. Geburtstag feiern.

Ich denke an eine Einwohnerversammlung im Jahr 2015, als die ersten Flüchtlinge nach Wernigerode kamen und die Kirche als Moderatorin gefragt war. Ich denke an die Entwidmung der Liebfrauenkirche, an den Prozess des Zusammenwachsens unserer Innenstadtgemeinden und an unzählige Sitzungen der jeweiligen Gemeindekirchenräte. Ich denke an die Entwicklung eines neuen Gemeindelogos, an die Arbeit im Gemeindebriefteam und an die gemeinsamen Bemühungen, in Zeiten der Corona-Pandemie trotzdem und auf neuen Wegen den Glauben zu verkündigen.

Ich denke an musikalische Höhepunkte, wie Konzerte, Mitsingprojekte und Taizé-Andachten, an Freizeiten und Gemeindeausflüge. Ich denke gern an das Team unserer Mitarbeitenden, die mich immer mit viel Engagement unterstützten, genauso wie die Pfarrer im Ruhestand und die Kollegen aus dem Bereich der Ökumene. Ihnen allen sage ich herzlich Dankeschön! Ganz besonders danke ich auch den zahllosen Ehrenamtlichen, die mit viel Engagement Ihre Zeit und Ihre Gaben bei der Gestaltung unseres Gemeindelebens einbrachten.

Ich denke auch an die Begegnungen mit Vertretern aus Stadt und Landkreis, an Besuche unseres Ministerpräsidenten und die Arbeit in mehreren Stiftungen und Vereinen. Ich sehe Brautpaare vor mir und Täuflinge, Konfirmanden und Jubelkonfirmanden, die ich an ihren Festtagen begleiten durfte. Ich sehe auch die vielen Trauernden, mit denen ich gemeinsam am Grab stand. Am Ende sind es die menschlichen Begegnungen, die ganz besonders wertvoll sind und mir für immer bleiben werden. Segen empfangen und Segen sein – dieses Motto unserer Gemeinde hat mich immer beflügelt.

Für mich sind die zwölf Jahre meines Dienstes ein wirkliches Geschenk. Ein ausgefülltes und wunderbares Stück Lebenszeit. Wenn ich darauf schaue, dann war alles dabei, was man sich wünschen kann. All das, was mir besonders wertvoll ist, werde ich für immer wie einen Schatz bewahren, auf den ich jederzeit mit Dankbarkeit und Freude schauen kann.

Für die Zukunft freue ich mich darauf, etwas mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können, wozu neben meinem Mann und den Kindern auch meine alt gewordene pflegebedürftige Mutter und meine Schwiegereltern zählen. Mit meinem Mann Ralf Bier werde ich künftig beruflich im Bestattungsinstitut „Voß und Bier“ zusammenzuarbeiten. Dort wird für mich Gelegenheit sein, vieles von dem, was mir wichtig ist, als „Christ in der Welt“ auch im weltlichen Beruf einzubringen. Wir werden weiterhin in Wernigerode leben. Und natürlich bleibe ich auch Gemeindeglied unserer Kirchengemeinde und Pfarrerin im Ehrenamt. Nach dem eigenen Abschied aus der Pfarrstelle freue ich mich darauf, wenn ein neuer Kollege, eine neue Kollegin meine Stelle einnimmt. Der oder die „Neue“ soll sich mit seinen oder ihren Gaben und Schwerpunkten gut einfinden und einrichten können. Deshalb werde ich zunächst eher zurückhaltend sein mit ehrenamtlichen Einsätzen. Sollte dann später jedoch einmal Bedarf an einer ehrenamtlichen Unterstützung sein, bin ich dazu gerne bereit.

Zum Abschied möchte ich Ihnen, liebe Gemeindeglieder, Folgendes sagen:

Sie alle in der Neuen Evangelischen Kirchengemeinde sind ganz besondere Menschen. Sie engagieren sich für eine gute Sache und teilen ein Stück Ihres Lebens und Glaubens miteinander. Behalten Sie die Freude an einem aktiven Gemeindeleben, gestalten Sie es mit, tragen Sie dazu bei, dass unsere Gemeinde ein Ort ist, an dem man sich wohl und willkommen fühlt. Bewahren Sie das, was Ihnen wichtig ist und trauen Sie sich auch, Neues auszuprobieren. Feiern Sie weiter bewegende und aufbauende Gottesdienste, teilen Sie Freude und Traurigkeiten. Gott ist da. Immer in Ihrer Mitte. Gottes Segen erfülle unsere Gemeinde und all ihre Glieder und Gäste.

Bleiben Sie behütet.

Ihre Pfarrerin Dr. Heide Liebold-Bier

Der Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrerin Dr. Heide Liebold-Bier findet am 26. März 2023 in der Johanniskirche statt. An diesem Tag wird auch die neue Beleuchtung in der Kirche eingeweiht. Nach dem Gottesdienst ist im Martin-Luther-Saal die Gelegenheit, noch zusammenzubleiben und sich auch persönlich von Heide Liebold-Bier zu verabschieden.